10.03.2019
Kategorie: Lager & Logistik, Top-News
Von: Martin Wendlandt

Einkauf in Gruppen einteilen

Dem Einkauf kommt große Bedeutung zu. Die alte Redewendung »Im Einkauf liegt der Segen« nennen mache so abgedroschen wie das Stroh, das schon einmal durch die Dreschmaschine gelaufen ist.


Der Einkauf sollte in Gruppen eingeteilt werden. (Symbolfoto: industrieblick / Fotolia.com)

Der Einkauf sollte in Gruppen eingeteilt werden. (Symbolfoto: industrieblick / Fotolia.com)


Wir sind jedoch der Meinung, dass mit dem optimalen Einkauf die Basis für gute Ergebnisse gesetzt wird. In Unternehmen mit negativen Ergebnissen ist mindestens eine von folgenden Ursachen gegeben: 1. Zu niedrige Erlöse, 2. Zu geringe Leistung, 3. Zu hohe Kosten, gleich zu hohe Einkaufspreise.

Das sogenannte Materialgruppen-Management ist vor allem für größere Unternehmen ein erfolgsversprechender Ansatz, um die Beschaffungskosten zu senken. In der Theorie wird nach vier Gruppen unterschieden:

A) Das Standardmaterial, welches einfach zu beschaffen ist. Das kann z.B. Büromaterial sein, ein unbedeutender Umfang im Verkehrsunternehmen. Hier kann man ein Rahmenabkommen mit einem regionalen Händler abschließen. Man benennt die am häufigsten benötigten Teile und fixiert den Preis z.B. für ein Jahr. Es lohnt sich nicht, hier viel Zeit in laufende Einkäufer zu investieren.

B) Hebelmaterial ist einfach zu beschaffen, hat aber großen Einfluss auf den Ertrag. In Verkehrsunternehmen kann das der Diesel sein. Hier ist es denkbar, Rahmenabkommen zu schließen, bei denen sich der Preis an einfach zugänglichen Indizes orientiert. Das Beispiel sind OMR-Werte oder die Werte des Statistischen Bundesamtes. Man kauft eine festgelegte Menge für einen bestimmten Zeitraum ein zu einem Fixpreis oder einem Index plus einen Wert von X ein.

C) Strategisches Material ist teuer und mit hohem Zeitaufwand verbunden. Da fällt einem gleich die Anschaffung von Fahrzeugen ein. Leider ist das für viele Unternehmer auch der Emotionseinkauf, bei dem ohne genügende Vorbereitung und viel Emotion richtig viel Geld verschenkt wird. Die Verkäufer nutzen professionell die Anfälligkeit der Unternehmer aus, zeigen sich z.B. bei Verbandsveranstaltungen besonders großzügig, schaffen häufig Du-Kontakte, und nutzen die Gutmütigkeit aus. Das ist völlig legitim, jedoch letztlich teuer.

D) Teuer wird der Engpasseinkauf. Gibt es nur einen oder wenige Verkäufer, muss man schon frühzeitig aktiv werden, nämlich dann, wenn man z.B. das Ersatzteil aktuell noch nicht benötigt. Wer ein Fahrzeug kauft, weiß, dass er früher oder später Ersatzteile benötigt. Das Nutzen die Hersteller aus, indem sie in den Garantiebedingungen nur Originalersatzteile zulassen. Was also tun, wenn das Fahrzeug steht und das erforderliche Ersatzteil nur zum Mondpreis zu haben ist? Der kluge Unternehmer verhandelt einen Rabatt auf Originalersatzteile dann, wenn er das Fahrzeug bestellt.

So gut diese Regeln auch sind, so sind sie doch nicht erfolgreich, wenn z.B. der falsche Mann / die falsche Frau mit dem Einkauf betraut ist. Leider nehmen z.B. viele Mittelständler bestimmte Einkäufe selbst in die Hand, obwohl sie selbst keine geschickten Einkäufer sind. Man sollte deshalb selbstkritisch sein.

Die schöne Theorie des Materialgruppen-Managements scheitert jedoch, wenn keiner im Unternehmen die erforderliche Organisation dazu in die Hand nimmt. Alle Einkäufe müssen in Gruppen eingeteilt und die entsprechende Einkaufsstrategie erarbeitet werden.